Know-How • Grundlagen der Operationsverstärker
1 - Einführung:
2 - Kurzbeschreibung der Funktionsweise eines OPV´s:
3 - Allgemeine Technische Daten:
- Absolute Grenzwerte
- Versorgungsspannung
- Maximale Verlustleistung
- Eingangsspannungen und -differenzen
- Einlöten
- Ausgangsseitiger Kurzschluß
4 - Technische Details des Operationsverstärkers:
- Eingangswiderstand
- Offset
- Eingangs Nullstrom
- Eingangswiderstand
- Eingangskapazität
- Gleichtaktunterdrückung
- Leerlaufverstärkung
- Versorgungsspannungsunterdrückung
- Ausgangsspannungshub
- Ausgangswiderstand
- Kurzschlußstrom
- Versorgungsstrom
- Leistungsaufnahme
- Einschwingverhalten
- Anstiegsgeschwindigkeit
5 - Einfache Grundschaltungen des Operationsverstärkers:
- Impedanzwandler
- Invertierender Verstärker
- Nichtinvertierender Verstärker
- Strom-Spannungswandler
- Spannungs-Stromwandler
- Spannungskomperator mit und ohne Hysterese
- Astabiler Multivibrator
- Bistabiler Multivibrator
- Differenzverstärker
- Summierverstärker
- Differenzierer (Hochpaß)
- Integrierer (Tiefpaß)
1-Einführung
Die Einsatzgebiete eines Operationsverstärkers kann man schon anhand seines
Namens erahnen. Er wird immer dort eingesetzt, wo mit einem einfachen Bauteil
Signale verstärkt werden sollen. Doch ein Operationsverstärker kann
auch Rechenaufgaben ausführen, Signale oder Pegel vergleichen, Meßgrößen
umformen oder Meßsignale wie z.B. Rechteck-, Dreieck- oder Sinussignale
generieren. Um die Sache zu vereinfachen, sind alle Beispiele, sofern nicht
anders angegeben auf den Standard-Typ µA741C bezogen.
Zunächst beschäftigen wir uns mit dem Datenblatt des µA741.
Das Datenblatt ist wichtig, da es sonst zu unerklärlichen Erscheinungen
kommen kann, die auf die Bauteilstreuungen und auf einige Hersteller spezifischen
Details zurückzuführen sind. Dabei stellt man schnell fest, daß
der Operationsverstärker alles andere als perfekt ist. Doch "Fehler erkannt"
bedeutet meistens auch "Fehler gebannt".
Ein Datenblatt umfaßt unzählige Seiten mit Anschlußbelegungen,
Kennlinien, Spezifikationen und Schaltungsbeispielen. Die meisten beginnen mit
einer allgemeinen Kurzbeschreibung, in der die Hersteller ihre Ware anpreisen.
Die Kurzbeschreibung ist also mit Vorsicht zu genießen.
Die hervorgehobenen Schlagwörter (Highlights) heben die wesentlichen Vorteile
noch einmal hervor: Kurzschlußfest, keine Frequenzkompensation erforderlich,
Offset-Abgleichmöglichkeit, große Eingangsspannungsbereiche, niedrige
Leistungsaufnahme und kein Latch-up-Effekt (vergleichbar mit Systemabsturz,
nur durch kurzes Abschalten der Versorgungsspannung ist normales Arbeiten wieder
möglich). Das selbe gilt übrigens auch für die meisten gebräuchlichen
Operationsverstärker.
Das Wichtigste ist die genaue Typenbezeichnung, die noch zusätzliche Buchstaben
enthalten kann. Diese charakterisieren spezielle Eigenschaften und die Bauform
einer speziellen Version des Bauteils. Für den µA/LM 741 gibt es über
zehn unterschiedliche Gehäuseversionen.
Der Betriebstemperaturbereich wird grundsätzlich in drei Kategorien aufgeteilt:
| Consumer - Bereich | 0...+70°C | Weit verbreitet und Preiswert für normale Schaltungen. |
| Erweiterter industrieller - Bereich | -20...+70°C | Wird in Geräten eingesetzt, die außerhalb von Gebäuden funktionieren sollen. |
| Voll militärisch | -55...+125°C | Gilt auch für Raumfahrt Bedingungen und findet besonders in kritischen Bereichen wie z.B. in der Fahrzeugelektronik Anwendung |
Meistens ist nur ein einziger Typ erhältlich, nämlich der billigste. Da Hobbygeräte normalerweise nicht in den Weltraum geschossen werden, sollte uns das nicht weiter beunruhigen. Die Lagertemperatur ist normalerweise irrelevant, außer jemand möchte seine Bauteile im Backofen aufbewahren. Lagertemperaturen außerhalb -65°C und +125°C grenzen schon an mutwillige Zerstörung.
2-Kurzbeschreibung der Funktionsweise eines OPV's
Der Operationsverstärker besitzt zwei Eingänge, von denen einer invertierend wirkt. Die verstärkte Differenz dieser Eingänge wird am Ausgang in Form einer Spannung ausgegeben. Ein idealer Operationsverstärker hat eine unendlich hohe Verstärkung. Das soll bei dem neuen Schaltzeichen das Unendlichsymbol ausdrücken. In der Praxis haben die OPV's einen Verstärkungsfaktor von "nur" einigen hundert tausend. Mit so hohen Empfindlichkeiten kann man aber keine vernünftige Schaltung aufbauen. Das elektrische Feld, das beim Fingerschnipsen entsteht, würde reichen um den Ausgang zu beeinflussen. Der Operationsverstärker muß also "gezähmt" werden. Die einzige Möglichkeit dazu ist eine Rückkopplung. In den allen Schaltungsbeispielen gehe ich immer davon aus, daß der Operationsverstärker eine symmetrische Versorgungsspannung von ±15V bekommt.
3-Allgemeine Technische Daten
Praktisch bei allen Arten von Bauelementen vorhanden, hier bezogen auf µA741.
Die meisten Angaben sind wegen Fertigungsstreuungen in Min, Max und Typisch
(Typical) angegeben. Die typischen Werte beziehen sich auf einen hohen Prozentsatz
aller hergestellten Bauteilen. Je nach Hersteller schwankt dieser statistische
Wert, als Richtwert kann man jedoch von 90-95% ausgehen. Der Hersteller garantiert,
daß die ausgelieferten Bauteile die im Datenblatt angegebenen minimalen
und maximalen Grenzwerte einhalten. Wird die Serie geändert, so erhält
das Bauteil einen zusätzlichen Buchstaben in seiner Typenbezeichnung und
keiner kann meckern. Deshalb Vorsicht bei teuren Bauelementen, deren Typenbezeichnung
leicht von Datenblatt abweicht!
Die absoluten Grenzwerte sollten auf keinen Fall überschritten werden, da das Bauteil zerstört beziehungsweise dauerhaft beschädigt werden kann, oder nur die im Datenblatt angegebenen Eigenschaften nicht mehr gewährleistet sind. Es muß auch gar nichts passieren, da Fertigungstoleranzen, sofern nicht ausdrücklich anders angegeben, eingeplant sind. Wenn es dabei trotzdem, möglicherweise auch später im Normalbetrieb "knallt", braucht man sich weder zu wundern, noch sein Geld zurückverlangen.
Als Versorgungsspannung sind maximal ±18V angegeben. Die meisten Schaltungen werden mit ±15V betrieben, also auf der sicheren Seite. Die Versorgungsspannung sollte für die meisten Anwendungen symmetrisch sein. Falls negative Ausgangsspannungen erreicht werden müssen, ist dies auch zwingend erforderlich. Bei einigen seltenen Fällen, besonders interessant bei Batteriebetrieb, kommt man auch mit einer asymmetrischen Spannungsversorgung aus. Für die meisten Anwendungen verwendet man am besten die bewährten Festspannungsregler (LM) 7815/7915. Sie sind stark genug für fast alle größeren OPV - Anwendungen.
Die maximale Verlustleistung (Power Dissipation) ist abhängig von der Gehäuseversion und der maximal zulässigen Temperatur. Ein Metallgehäuse kann die Verlustwärme besser an die Umgebung abgeben als ein einfaches, aber deutlich billigeres Plastikgehäuse. Das einfache 8-Pin Plastikgehäuse verkraftet 310mW, das 14polige Dual-in-line Gehäuse verträgt etwa das doppelte. Leider beziehen sich alle Angaben auf max. 70°C Umgebungstemperatur. Theoretisch kann man bei viel niedrigeren Umgebungstemperaturen, vielleicht zusätzlich sogar mit Kühlkörper höhere Werte verwenden, aber der Hersteller gibt leider keinen Hinweis darauf.
Eingangsspannungen und -differenzen:
Eingangsspannungen und deren Unterschiede dürfen sich im Bereich -15...+15V bewegen. Sie dürfen die Versorgungsspannung niemals überschreiten.
Beim Einlöten (Soldering) darf man die Anschlüsse eine Minute lang auf 300°C erwärmen. Das hört sich nach mehr an als es ist, also bitte nicht als Einladung zum Grillfest verstehen. Lötet man die Anschlüsse nicht gleichzeitig, sondern nacheinander ein, gilt dieser Wert nur nach vollständigen Abkühlen des gesamten Bauteils. Ein einminütiger, pausenloser Lötvorgang aller Anschlüsse kann schon kritisch werden. Hobby- oder Versuchsschaltungen sollten auf jeden Fall mit Fassungen bestückt werden, um einen "geschossenen" IC schnell und bequem wechseln zu können oder gegen einen anderen (stärkeren) Typ auszutauschen.
Ein Ausgangsseitiger Kurzschluß (Output Short Circuit Duration) darf laut Hersteller unbegrenzt dauern, solange alle Randbedingungen erfüllt bleiben. Ein Kurzschluß darf gegen Masse oder eine der beiden Versorgungsspannungen bestehen. Natürlich gibt es auch hier eine wesentliche Einschränkung: Die Gehäusetemperatur darf 125°C, und deswegen die Umgebungstemperatur 75°C nicht überschreiten. Da ein Kurzschluß nicht zu den normalen Anwendungsfällen gehört, sollte man ihn auf alle Fälle vermeiden.
4-Technische Details des Operationsverstärkers
Der Eingangswiderstand ist mit Typ. 2MOhm angegeben. Wenn man Pech hat, erwischt man ein Bauteil mit nur 300kOhm. Ein idealer Operationsverstärker besitzt bekanntlich einen unendlich hohen Eingangswiderstand. Der Toleranzbereich ist also unvorteilhaft groß.
Ähnliches gilt für den Offset, der im Idealfall "Null" betragen sollte. Ein typischer realer Wert ist 2.0mV, darf jedoch auch mal das dreifache betragen. Er beschreibt die Ausgangsspannung, die bei miteinander verbundenen und auf Masse gelegten Eingängen entsteht. Dieser Offset macht sich besonders bei geringen Signalen störend bemerkbar, da bei Schaltungen mit hohen Verstärkungsfaktoren diese Offsetspannungen sogar bis in den Voltbereich mit verstärkt werden. Zum Glück kann man die meisten Operationsverstärker mit einem Trimmer an den zusätzlichen Anschlüssen abgleichen. Bei dem achtpoligen Gehäuse sind das die Anschlüsse 1 und 5, die mit einem 10kOhm-Trimmer verbunden werden.
Eingangs Nullstrom (Input Bias Current):
Bei einem in Ruhelage ausgesteuerten Ausgang können an den beiden Eingängen unterschiedliche Ströme fließen. Das bedeutet in der Praxis, daß bei Singalquellen mit hohem Innenwiderstand die Spannung verfälscht wird, da die Quellen unterschiedlich stark belastet werden und unterschiedliche Spannungen produzieren.
Eingangswiderstand (Input Resistance):
Das ist der Widerstand, den man gegenüber Masse an den Eingängen messen
kann, vorausgesetzt, der jeweils andere Eingang liegt auf Masse. Nachteilig
fallen hierbei wieder einmal Quellen mit hohem Innenwiderstand auf, die durch
den Eingangswiderstand teilweise stark belastet werden.
Eingangskapazität (Input Capacitance):
Unter den gleichen Meßbedingungen wie bei den Eingangswiderständen, kann man sie als parallel zu den Eingangswiderständen liegenden Kondensatoren betrachten. Störend wirken sie sich besonders bei hohen Frequenzen aus, da sich durch die Kapazitäten zusätzliche parallele Eingangswiderstände entstehen, die Frequenzabhängig sind.
Steuert man beide Eingänge mit ein und dem selben Signal an, so würde sich der Ausgang theoretisch nicht verändern. In der Praxis ändert sich die Ausgangsspannung wegen den starken Symmetrieunterschieden durch Fertigungstoleranzen. Die Gleichtaktunterdrückung ist in dB angegeben und beschreibt das Verhältnis zwischen Eingangsspannungsänderungen und der Änderung der Offsetspannung. Die im Datenblatt angegebenen 90dB entsprechen einem Verhältnis von 1: 30.000. Dieser Wert wird in der Praxis leider nicht erreicht. Die Gleichtaktunterdrückung macht sich besonders bei auf beide Eingänge gleichzeitig einwirkenden Störsignalen bemerkbar, die z.B. bei Brückenschaltungen, das Ausgangssignal theoretisch nicht beeinflussen können, da sie keine Differenz zwischen den Eingängen erzeugen. Dadurch ergeben sich manchmal auch ziemlich große Meßfehler.
Leerlaufverstärkung (Large Signal Voltage Gain):
Sie gibt die Verstärkung an, die man ohne Rückkopplung erhält. Sie ist bei einem Lastwiderstand von 2kOhm und einem Ausgangsspannungshub von ±10V definiert. In der Praxis erreicht man den angegebenen Wert von typisch 200.000 nie und liegt meistens um den Faktor 10 darunter.
Versorgungsspannungsunterdrückung (Supply Voltage Rejection Ratio):
Durch Änderung der Versorgungsspannung ändert sich auch die Offsetspannung. Bei einem Volt Versorgungsspannungsänderung ändert sich der Offset um 0,3µV. Bei einer 300fachen Verstärkung erhöht sich der Fehler jedoch schon um 0,1mV.
Ausgangsspannungshub (Output Voltage Swing):
Der Operationsverstärker kann niemals die volle Eingangsspannung an seinem Ausgang erzeugen. In jedem Fall wird die maximale Ausgangsspannung bei einer Eingangsspannung von ±15V deutlich über ±10V liegen. Bei normalen Belastungen etwa ±13V und im Idealfall sogar nur 1V unterhalb der Versorgungsspannung.
Ausgangswiderstand (Output Resistance):
Dabei handelt es sich um den wirksamen Wechselstrom-Widerstand des Ausganges, gilt nur für geringe und offsetfreie Ausgangssignale. Für die Praxis nur in Grenzfällen relevant.
Kurzschlußstrom (Output Short Circuit Current):
Höhe der Stromstärke bei einem Kurzschluß. Randbedingungen beachten (s. ausgangsseitiger Kurzschluß).
Versorgungsstrom (Supply Current):
Stromaufnahme bei unbelasteten Operationsverstärker. Mit Typ. 1,7mA ist dieser so gering, daß man ihn nur bei Batteriegeräten zu spüren bekommt.
Leistungsaufname (Power Consumption):
Diese Verlustleistung, natürlich am unbelasteten Operationsverstärker, entsteht durch den Versorgungsstrom und ist abhängig von der Betriebsspannung.
Einschwingverhalten (Transient Response):
Ein realer Operationsverstärker benötigt eine Gewisse Reaktionszeit und verschleift ein sprungförmig angestiegenes Eingangssignal; er gilt für eine Last von 2kOhm||100pF und der Verstärkung "Eins" (Unity Gain).
Anstiegsgeschwindigkeit (Slew Rate):
Ein reales Bauteil weist Kapazitäten und ungewollte Widerstände auf. Teilweise sind auch welche absichtlich eingebaut worden, um unkontrolliertes Schwingen zu vermeiden. Dadurch kann der Ausgang nicht beliebig schnell ansteigen. Das liegt daran, daß der Operationsverstärker aus mehreren Verstärkerstufen aufgebaut ist, die jede für sich Verzögerungen und Kapazitäten beisteuert. Die Angaben beziehen sich auf einen Lastwiderstand von minimal 2kOhm. Soll sich die Ausgangsspannung um 10 V ändern, so braucht der Operationsverstärker eine Zeit von typisch 5µs. Kritisch wird es also bei hohen Frequenzen, da das Ausgangssignal stark gedämpft wird.
5-Einfache Grundschaltungen des Operationsverstärkers
In letzer Zeit haben sich die Schaltzeichen für Schaltpläne dramatisch geändert. Ich persönlich halte die meisten alten Schaltzeichen für übersichtlicher, weil man schon "vom Weitem" die Funktion eines Teils sehen kann und nicht die Bezeichnung oder Eigenschaft eines Kästchens ablesen braucht. Das neue Zeichen für den Operationsverstärker kann man nicht mehr auf dem flüchtigen ersten Blick von den Logikgattern unterscheiden. Deswegen benutze ich immer noch die alten Schaltzeichen, sofern ich nicht, wie in der Industrie üblich, dazu verpflichtet bin die neuen zu nutzen.
| Aktuelles Schaltzeichen nach DIN 40 900 T.13 |
Veraltetes Schaltzeichen nach DIN 40 900 T.10 |
Diese Schaltung, auch Spannungsfolger genannt, hat einen Verstärkungsfaktor
von eins. Sie ist die Grundlage für die meisten OPV- Schaltungen. Machen
wir, um die Funktionsweise zu verdeutlichen, ein Gedankenexperiment ausgehend
vom idealen Operationsverstärker:
Gehen wir davon aus, daß sämtliche Spannungen, außer der Versorgungsspannung,
auf Massepotential liegen. Am Eingang gibt es keine Differenz und die Schaltung
tut überhaupt nichts. Erhöhen wir jetzt die Eingangsspannung, so gibt
es eine Differenz zwischen den beiden Eingängen. Da der nichtinvertierende
Eingang (+) nun "positiver" als der invertierende Eingang (-) ist, erscheint
eine positive Spannung am Ausgang. Die Ausgangsspannung ist mit dem invertierenden
Eingang verbunden. Ist die Ausgangsspannung zu groß geworden, so ist nun
der invertierende Eingang "positiver" als der nichtinvertierende. Dadurch wird
die Ausgangsspannung negativ und der Vorgang beginnt von vorne.
Diese Schaltung wäre nicht zu gebrauchen, da als Ausgangssignal eine rechteckförmige
Wechselspannung mit extrem hoher Frequenz entsteht, würde der Operationsverstärker
nicht einige "unerwünschte Nachteile" haben. Das Ausgangssignal kann sich
nicht so schnell ändern wegen der Anstiegsgeschwindigkeit und die Schaltung
pendelt sich auf einen Mittelwert ein, der (fast) genau der Eingangsspannung
entspricht. Alle gebräuchlichen Formeln und Modelle gelten nur für
den eingeschwungenen Zustand.
Der Operationsverstärker sorgt also dafür, daß seine Eingänge
das gleiche Potential haben. Dieses Phänomen nennt man "Virtueller Nullpunkt",
da beide Eingänge exakt das gleiche Potential haben, sofern der OPV nicht
überfordert wird.
Der Impedanzwandler kommt zu seinem Namen, da diese Schaltung einen sehr hochohmigen
Eingangswiderstand besitzt und einen vernachlässigbaren Ausgangswiderstand
hat. Dadurch kann man einen niederohmigen Verbraucher an eine hochohmige Signalquelle
anschließen, ohne daß die Quelle "zusammenbricht". Aus den Angaben
des Datenblatts kann man entnehmen, daß diese Schaltung einen Eingangswiderstand
von typisch 400 MOhm und einen Ausgangswiderstand von deutlich unter 1 Ohm besitzt.
Ein Verstärker wäre kein Verstärker, wenn er nicht auch verstärken
könnte. Die Einfachste Variante ist der invertierende Verstärker.
Er verstärkt Spannungen und ändert deren Vorzeichen. Wie bei dem Impedanzwandler
versucht der OPV seine Eingänge auf dem gleiche Potential zu halten. Dadurch
entsteht wieder der unter "Impedanzwandler" angesprochene "virtuelle Nullpunkt"
(Udiff=0V). Stellen wir uns also für die Berechnung und Dimensionierung
der Schaltung die Eingänge als miteinander verbunden vor (gestrichelte
Linie).
R1 hängt also zwischen Ue und der virtuellen Masse. Zwangsweise fließt
auch ein Strom durch diesen Widerstand:
![]()
Ein OPV hat einen extrem hohen Eingangswiderstand, so daß der Strom, der
durch die Eingänge fließt vernachlässigbar klein ist. Also muß
der gesamte Strom durch R2 fließen, damit die Eingänge ausgeglichen
sind (Kirchhoffsche Regel). Die Ausgangsspannung des Verstärkers kann man
jetzt einfach berechnen, da R2 zwischen der virtuellen Masse und Ua liegt und
der Widerstand samt zugehörigen Strom bekannt sind. Daraus folgt, sofern
man die Stromrichtung beachtet: Ua = R2*IR2 = R2*(-IR1 )
Setzt man die beiden Formeln zusammen und stellt sie ein wenig um, spart man
sich nach dem Kürzen die Berechnung des Stroms:

Die negative Verstärkung kann man sich daran verdeutlichen, daß der
Ausgang des OPV´s negativ werden muß, um den invertierenden Eingang "auf
Masse zu ziehen".
Nichtinvertierender Verstärker:
Bei dieser Verstärkerschaltung wird das Signal ausnahmsweise einmal nicht
invertiert.
Das Ausgangssignal wird durch einen Spannungsteiler, der als unbelastet angenommen
werden kann, auf den invertierenden Eingang zurück gekoppelt. Die Funktionsweise
ist identisch mit dem Impedanzwandler, nur mit dem Unterschied, daß die
zurück gekoppelte Spannung geteilt, und die Ausgangsspannung deswegen verstärkt
wird. Der Verstärkungsfaktor wird durch das Verhältnis der beiden
Widerstände bestimmt.
Diese Schaltung beruht auf dem selben Prinzip wie der invertierende Verstärker,
nur spart man sich den Widerstand R1. Der Operationsverstärker regelt seinen
Ausgang so, daß der Strom vollständig über R2 abfließen
kann. Nur so entsteht kein Potentialunterschied zwischen den beiden Eingängen.
Für die Berechnung kann man ein Zwischenergebnis des Invertierenden Verstärkers
wiederverwerten. IR1 wird in Ie umgeändert.
Um eine Spannung in einen Strom umzuwandeln bedient man sich eines modifizierten
invertierenden Verstärkers. Um seine Eingänge auszugleichen muß,
wie bei dem Invertierenden Verstärker, durch die Widerstände R1 und
R2 der gleiche Strom fließen. RL liegt dabei im Weg und der Operationsverstärker
muß seine Ausgangsspannung so wählen, daß der Strom durch RL
groß genug ist, um die Eingänge auszugleichen. Um den möglichen
Bereich der Stromstärke zu vergrößern, wird der Strom noch aufgeteilt.
Da zum Ausgleich der Eingänge nur der Ausgangsstrom beiträgt, ist
der Lastwiderstand unbedeutend und darf sogar schwanken. Zu beachten ist, daß
die Spannung, die den gewünschten Strom in RL hervorruft, nicht höher
als die Versorgungsspannung sein kann. Wäre das so, hätte man alle
Energieprobleme der Welt gelöst! Der Lastwiderstand ist also nur in seiner
maximalen Größe beschränkt.
Besondere Anwendungen des Spannungs-Stromwandlers
Stellt man die Eingangsspannung mit einem Potentiometer ein, so erhält
man eine präzise Konstantstromquelle für geringe Ströme. RL ist
dann das Objekt, in dem der Strom konstant gehalten werden soll.
Eine weitere interessante Anwendung des Spannungs-Stromwandlers in Verbindung
mit dem Strom-Spannungswandler ist die Übertragung von Spannungssignalen
über größere Strecken. Der Strom innerhalb einer Leitung ist
an allen Stellen gleich und kommt aus einer Leitung genau so heraus wie er hineingeschickt
wurde. Es entstehen zwar Spannungs- und Leistungsverluste innerhalb der Leitung
sowohl Potentialunterschiede zwischen den Endgeräten, diese sind aber nicht
störend, da nur der Strom "gemessen" wird. Störimpulse werden von
dem "sendenden" OPV ausgeregelt. Bei geschickter Dimensionierung können
schwache Spannungen nahezu störungsfrei über einige hundert Meter
übertragen werden und gleichzeitig in ihrer Amplitude angepaßt werden.
Das ist bei Anwendungen nützlich, bei denen die Sensoren in ungünstigen
Umgebungen angebracht sind und die langen Leitungen elektromagnetischen Störungen
und stark schwankenden Temperaturen ausgesetzt sind. (Beispiel: Temperatur-
und Drucksensoren in einem Heizkraftwerk)
Spannungs-Komparator mit und ohne Hysterese:
Ein Komperator vergleicht ständig seine Eingangsgrößen und zeigt
digital an, welcher Eingang die größere Spannung besitzt. Da ein
Operationsverstärker einen nahezu unendlichen Verstärkungsfaktor besitzt,
reicht eine geringe Eingangsspannungsdifferenz, um den Ausgang "in die Sättigung"
gehen zu lassen. Der Ausgang der Schaltung kann nur die Zustände +Ub und
-Ub annehmen. Versorgt man den Operationsverstärker mit +5V und legt -Ub
auf Masse, so erhält man am Ausgang ein TTL-Signal zur digitalen Weiterverarbeitung.
Sind beide Eingangsspannungen annähernd gleich, so kippt der Ausgang bei
der kleinsten Störung oder Veränderung hin und her. Um das zu vermeiden
baut man eine "Hysterese" ein. Das Bedeutet, daß bei einem bestimmten
Pegel ausgeschaltet, und bei einem niedrigeren Pegel wieder eingeschaltet wird.
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Der Ausgang der Schaltung kann nach wie vor nur +Ub oder -Ub annehmen. Der Spannungsteiler bestehend aus R2 und R3 teilt also das Signal entweder gegen die positive oder die negative Versorgungsspannung. Dadurch verschiebt sich der Umschaltpunkt nach oben bzw. nach unten. Die Hysterese läßt sich mit folgender Formel berechnen, wobei es sich bei DUa um die Differenz der beiden Versorgungsspannungen handelt:
R1 ist nicht unbedingt notwendig, sollte aber den gleichen Wert
wie R2 besitzen, um kleine Meßfehler durch den geringen Eingangsstrom
des realen OPV's auszugleichen.
Besondere Anwendung des Komperators:
Legt man das Potential einer der beiden Eingänge mit einem zum Spannungsteiler
geschalteten Potentiometer fest, so erhält man einen einfachen Schwellwertschalter.
So kann man mit einfachen Mitteln z.B. einen Dämmerungschalter realisieren,
Interrupts eines Mikrocontrollers bei bestimmten Bedingungen auslösen,
usw.
Zum besseren Verständnis gehen wir wieder mal davon aus, daß keine
Spannungen anliegen und der Kondensator restlos entladen ist. Der Ausgang wird
sofort nach dem Einschalten in einen der beiden möglichen Zustände
kippen, da kleinste Spannungdifferenzen an den Eingängen ausreichen, um
den Ausgang in die Sättigung zu kippen. In der Praxis wird der OPV wegen
Symetrieunterschieden bei der Fertigung beim Einschalten einen bevorzugten Zustand
einnehmen.
Gehen wir davon aus, daß die Ausgangsspannung einen positiven Wert angenommen
hat. Der Spannungsteiler aus R2 und R3 legt eine positive Spannung an den nichtinvertierenden
Eingang des OPV's an. Die Spannung an dem invertierenden Eingang wird von dem
noch entladenen Kondensator auf Massepotential gehalten. Über R1 lädt
er sich langsam auf. Wird die Spannung des Kondensators größer als
die des Spannungsteilers am nichtinvertierenden Eingang, so kippt die Ausgangsspannung
ins Negative. Der Spannungsteiler legt nun eine negative Spannung an den nichtinvertierenden
Eingang an, während der Kondensator langsam über R1 in die andere
Richtung umgeladen wird. Ist die negative Spannung am Kondensator größer
als die negative Spannung des Spannungsteilers, so kippt der Ausgang wider ins
positive und der Vorgang wiederholt sich.
Es entsteht eine symmetrische Rechteckspannung, bei der die "Einschaltzeit"
genau so lange dauert, wie die "Ausschaltzeit". Die Frequenz berechnet man mit
folgender Formel:
![]()
Den dazu passenden Widerstand R1 berechnet man anschließend mit:
Auch Flip-Flops kann man mit einem OPV realisieren. Nach dem Anlegen der Versorgungsspannung
kippt das Flip-Flop in eine der beiden möglichen Zustände. Wir gehen
davon aus, daß der Ausgang zunächst negativ (LOW) ist. Über
den Widerstand R4 wird der nichtinvertierende Eingang negativ gehalten und damit
wiederum den Ausgang negativ hält. Ein positiver Impuls an Ue2 (SET) am
nichtinvertierenden Eingang erzeugt eine positive Ausgangsspannung (HIGH). Über
R4 wird der nichtinvertierende Eingang positiv gehalten, was wiederum den Ausgang
stabilisiert. Ein positiver Impuls (Ue1) an dem invertierenden Eingang (RESET)
erzeugt einen negatives Signal an dem Ausgang (LOW), der wiederum durch die
Rückkopplung mit R4 gespeichert wird. Bei dieser Schaltung ist zu beachten,
daß die Eingangssignale U1 und U2 deutlich stärker sind als die Rückkopplung
durch R4. Der Widerstand R3 hält den invertierenden Eingang auf einen definierten
Pegel. Diese Schaltung findet in der Praxis äußerst selten eine Anwendung,
da das Ausgangssignal symmetrisch und für Digitalschaltungen unbrauchbar
ist. Ein asymmetrischer Betrieb ist leider nicht möglich.
Differenzverstärker:
An sich ist der OPV schon ein richtiger Differenzverstärker. Dummerweise
ist der Verstärkungsfaktor viel zu hoch und damit unbrauchbar. Diese Schaltung
verringert unter Zuhilfenahme von zwei Spannungsteilern den Verstärkungsfaktor.
Diese Schaltung funktioniert nur, wenn R1=R2 und R3=R4 sind, damit die Symmetrie
der Eingangssignale stimmt.
Der Verstärkungsfaktor wird durch das Verhältnis R1/R3 bzw. R2/R4
bestimmt. Die Verstärkte Spannungsdifferenz ist nichts anderes als Ue2-Ue1.
Die Ausgangsspannung berechnet sich wie folgt:
![]()
Ein Operationsverstärker kann auch Rechenoperationen durchführen. Der Summierverstärker
beruht auf dem Prinzip des Invertierenden Verstärkers, mit dem Unterschied,
daß der Eingangsstrom von zwei unterschiedlichen Signalquellen erzeugt wird.
Die beiden einlaufenden Ströme addieren sich und werden wie gewohnt verstärkt.
![]()
Diese Schaltung beruht ebenfalls auf dem invertierenden Verstärker. Als
Eingangswiderstand wird ein Kondensator eingesetzt, der Gleichspannungen und
niedrige Frequenzen abblockt, also nur Ströme mit höherer Frequenz
durchläßt, die wie beim invertierenden Verstärker weiterverarbeitet
werden. Gleichspannungsoffsets werden abgeblockt und tragen am Ausgangssignal
nichts bei. Das Verfahren entspricht dem mathematischen differenzieren. Die
Größe des Kondensators hängt natürlich von der gewünschten
Grenzfequenz, und die Ausgangsspannung zusätzlich noch von dem Verstärkungsfaktor
der Schaltung ab.
![]()
Auch diese Schaltung beruht auf dem invertierenden Verstärker. Nehmen wir
mal eine gleichbleibende Eingangsspannung an. Um seine Eingänge ausgeglichen
zu halten, muß der OPV immer höhere Spannungen aufbringen, weil sich
der Kondensator auflädt und eine Gegenspannung aufbaut. Im theoretischen
Fall würde der Vorgang unendlich lange dauern können, während
die Ausgangsspannung gegen unendlich gehen würde. Das entspricht rechnerisch
einem über unendlich integriertem konstanten Wert. In der Praxis hat der
OPV natürlich seine Grenzen durch die Versorgungsspannung, die man mit
dem Überlaufen des Wertebrereichs eines Taschenrechners vergleichen könnte.
Diese Schaltung integriert ein angelegtes Signal über die Zeit und gibt
das Ergebnis ununterbrochen aus.
![]()







